Mara Santidrián Korff

17 Mai 2022

Candidate Experience

Unternehmen kämpfen im “War for Talents” immer stärker um die Aufmerksamkeit von Bewerberinnen und Bewerbern. Sie stehen in Konkurrenz mit zahlreichen anderen Arbeitgebern und müssen es schaffen, die Bewerber*innen an sich zu binden und nicht direkt wieder zu verlieren. Darum ist ein bewerberorientiertes Nutzererlebnis, die sogenannte Candidate Experience, ist im “War for Talents” von großer Bedeutung. 

Inhalt:

  1. Candidate Experience – was ist das?
  2. Warum ist Candidate Experience wichtig?
  3. Die sechs Phasen der Candidate Experience
  4. Candidate Experience im digitalen Zeitalter
  5. Fazit

Definition: Candidate Experience

Die “Candidate Experience” (deutsch: Kandidatenerfahrung oder Bewerbererlebnis) beschreibt alle Berührungspunkte der Bewerber*innen mit dem Unternehmen im Laufe des Bewerbungs- und Onboarding-Prozesses. Dazu zählen alle Wahrnehmungen und Erfahrungen, die Bewerber*innen mit dem Unternehmen sammeln, wenn sie den Bewerbungsprozess eines Unternehmens durchlaufen. Die Candidate Experience können unter anderem die Stellenanzeigen, Social Media Präsenz des Unternehmens, Bewerbungsverfahren (wie beispielsweise Assessment Center oder Interviews) oder die Kommunikation mit den Bewerber*innen insgesamt beeinflussen.

Warum ist Candidate Experience so wichtig?

Aufgrund des steigenden Fachkräftemangels konkurrieren immer mehr Unternehmen um eine begrenzte Anzahl an Arbeitnehmer*innen. Dabei ist es essentiell, nicht nur Stellenanzeigen zu veröffentlichen, sondern ein umfassendes und ansprechendes Erlebnis für die Bewerber*innen zu gestalten. Sowohl die Stellenanzeigen oder das erste Antreffen auf einem Recruiting-Event, die Social Media Präsenz und Interaktion mit Leser*innen sowie die Bewerbungs- und Einarbeitungsphase sollten auf eine optimale Candidate Experience abzielen. 

Warum solltest Du auf eine gute Candidate Experience wert legen? Weil Kandidat*innen den Eindruck haben, dass Unternehmen ihre Mitarbeiter*innen wertschätzend und professionell behandeln, wenn sie dies auch mit den Bewerber*innen tun. Grundsätzlich gibt es einige Vorteile, die eine gute Candidate Experience für Dich als Personalverantwortliche*n mit sich bringt. Unter anderem: 

  • Kandidat*innen brechen das Bewerbungsverfahren nicht frühzeitig ab.
  • Bewerber*innen empfehlen Dein Unternehmen und Dich als Arbeitgeber weiter (auch unabhängig vom Ergebnis).
  • Positive Erlebnisse stärken das Employer Branding.
  • Das Unternehmensimage wird verbessert.
  • Die Produktmarke wird gestärkt.
  • Du wirst automatisch mehr qualifizierte Bewerbungen erhalten.

Die sechs Phasen der Candidate Experience

Kandidat*innen müssen nicht nur im Vorstellungsgespräch überzeugen und überzeugt werden, sondern bereits viel früher. Es gibt sechs Phasen der Candidate Experience, die Unternehmen beachten sollten, um Bewerber*innen auf sich aufmerksam zu machen und langfristig überzeugen zu können. Zu den sechs Phasen gehören: 

  1. Die Anziehungsphase

Die Anziehungsphase ist durch den ersten Kontakt der Bewerber*innen mit dem Unternehmen gekennzeichnet. Dies kann durch eine Stellenanzeige, ein Gespräch auf einem Event oder beim Lesen eines Artikels oder eines Social Media Posts sein. Gelingt es Dir, Bewerber*innen auf Dich als Unternehmen aufmerksam zu machen und eine Anziehungskraft zu erzeugen, wenden Bewerber*innen Zeit für die Informationssuche über Dein Unternehmen auf. Möchten sich also Menschen über Dein Unternehmen informieren, hast Du die Anziehungsphase erfolgreich gemeistert. 

  1. Die Informationsphase

In der Regel beginnt die Informationssuche auf der Website Deines Unternehmens. Diese sollte aus verschiedenen Gründen ein ansprechendes Design und interessante Inhalte enthalten.  Das Ziel ist es, das positive Image der Anziehungsphase aufrecht zu erhalten. Interessierte Bewerber*innen gelangen dann auf Deine Karriereseite und informieren sich über die offenen Stellen und Anforderungen. Finden Bewerber*innen eine passende Stellenausschreibung mit ansprechenden Informationen, tritt die Bewerbungsphase ein. 

  1. Die Bewerbungsphase

Die Bewerbungsphase ist wohl die aufwendigste Phase für Bewerber*innen. Die Gefahr, durch einen zu komplexen und unattraktiven Bewerbungsprozess das Interesse vieler Interessenten zu verlieren, ist groß. Das Anlegen eines Nutzeraccounts mit Passwort und das Durchlaufen vieler zeitaufwändiger Fragen empfinden viele Bewerber*innen als unattraktiv und stellt für sie ein großes Hindernis dar. Alternativ kannst Du ein Bewerbungsformular oder eine “Bewerbung in 60 Sekunden”-Option anbieten, die es den Bewerber*innen so einfach wie möglich macht, sich zu bewerben. Nach der Bewerbung sollten sich Kandidat*innen bestätigt fühlen und das Gefühl haben, ein professionelles Unternehmen gefunden zu haben. 

  1. Die Auswahlphase

Die Auswahlphase umfasst alle nötigen Verfahren, die das Unternehmen einplant, um die passenden Kandidat*innen auszusuchen. Das können Vorstellungsgespräche, Assessment-Center, Interviews, Probetage oder viele andere Verfahren sein. In der Regel stellt diese Phase den ersten persönlichen Kontakt der*des Bewerber*in mit Mitarbeiter*innen des Unternehmens dar. Auch hier ist ein professionelles Auftreten von großer Bedeutung. Die verwendeten Verfahren Deines Auswahlprozesses sollten für die Kandidat*innen nachvollziehbar sein. Dazu gehören beispielsweise Interviews, kognitive Leistungstests (z.B. Intelligenztests) und Persönlichkeitsfragebögen. Du solltest auf eine Rückmeldung in einem angemessenen Zeitraum als auch die entsprechende Kommunikation achten, um Bewerber*innen nicht zu lange warten zu lassen. Das erhält das positive Bild Deines Unternehmens bei Kandidat*innen weiterhin aufrecht. Erhalten Kandidat*innen auf ihre Bewerbung oder nach dem Durchlaufen des Auswahlprozesses keine Rückmeldung in einer nachvollziehbaren Zeit, verlieren sie das Interesse und bewerben sich bei anderen Unternehmen. Um dies zu vermeiden, können Bewerbermanagement-Tools dabei helfen, die Kandidat*innen zu sortieren und sich an Deadlines zu halten.

  1. Die Onboardingphase

Haben Kandidat*innen eine Zusage auf die Position erhalten, folgt meistens das Onboarding. Dabei erfahren sie die täglichen Aufgaben, Workflow-Prozesse und ihre späteren Tätigkeitsbereiche. Auch hier ist noch eine positive Candidate Experience wichtig, da Du neuen Mitarbeiter*innen weiterhin ein positives Image über die Unternehmenskultur und Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Beziehung vermitteln möchtest. Der Onboarding-Prozess sollte sanft und mit ausreichender Unterstützung gestaltet werden. Ist der Unterschied zwischen der positiven Erfahrung am Anfang und der Eindrücke während des Onboardings zu groß, besteht die Gefahr, dass Kandidat*innen sich getäuscht fühlen und mit einem schlechten Gefühl ihre Arbeit aufnehmen

  1. Die Bindungsphase

Die Bindung der neuen Mitarbeiter*innen in das Unternehmen sollte schnell geschehen. Je länger sich Kandidat*innen als “Fremdkörper” am Arbeitsplatz fühlen, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie das Unternehmen wieder verlassen. Das Ziel ist es also, Kandidat*innen so schnell wie möglich zu integrieren. Dabei können sie beispielsweise von Anfang an wichtige Aufgaben übernehmen, in die Unternehmensgemeinschaft aufgenommen und wie ein*e langjährig*e Mitarbeiter*in von Vorgesetzten und anderen Kolleg*innen respektiert werden. Wenn die Kandidat*innen zu glücklichen Mitarbeiter*innen werden, hast Du die Candidate Experience optimal gestaltet und alle Phasen erfolgreich überwunden. 

Candidate Experience im digitalen Zeitalter

Viele Unternehmen managen ihre Bewerbungen und Auswahlprozesse mittlerweile fast ausschließlich digital. Seit zwei Jahren hat sich aufgrund der Corona-Pandemie das remote Recruiting als Normalzustand etabliert. Unternehmen haben heutzutage das Glück, dass viele Softwares und digitale Tools das Bewerbermanagement und Auswählen der richtigen Kandidat*innen vereinfachen. Wer aber vermeidbare Fehler macht, wird mit wenigen und unqualifizierten Bewerbungen dafür bestraft. Dazu gehören fehlerbehaftete Buttons, die beispielsweise nicht funktionieren oder auf falsche Seiten führen, Stellenanzeigen, die nicht direkt gefunden werden oder Bewerbungsformulare, die nicht für mobile Endgeräte optimiert sind. Auch beim Auswahlprozess ist ein Candidate-Experience-Check vorzunehmen. Warten Bewerber*innen zu lange auf eine Rückmeldung oder stellt sich der Bewerbungs- und Auswahlprozess als zu langwierig und kompliziert heraus, springen viele bereits nach wenigen Tagen oder Wochen ab. Um dies zu vermeiden sind vor allem moderne digitale Tools eine große Hilfe für Unternehmen. 

Bewerber wünschen sich eine hohe Benutzerfreundlichkeit, klare Kommunikation, kurze Wartezeiten zwischen den Schritten und ausreichend Informationen über weitere Schritte. Die zunehmende Digitalisierung des Personalbereiches und die damit einhergehende Automatisierung der Prozesse ist für Recruiter*innen eine große Hilfe. Beispielsweise bietet Dir Applysias Candidate Portal die Möglichkeit, Dokumente wie Fallstudien oder Rollenspiele im Rahmen eines Assessment Centers, oder Testergebnisse (von Wissenstests, Persönlichkeitsfragebögen, o.ä.) digital mit Kandidat*innen in einem beliebigen Zeitraum zu teilen. Der Assessment Prozess wird durch die reibungslose Kommunikation und digitale Verfügbarkeit der Materialien vereinfacht und die Candidate Experience positiv beeinflusst. Das Candidate Portal ist zudem mit jeder Videokonferenz-Software (z.B. Skype, Microsoft Teams, Zoom, etc.) kompatibel. 

Fazit

Die Bedeutung einer guten Candidate Experience wächst immer weiter. Ebenso steigt der damit verbundene Druck für Arbeitgeber, ihren Bewerbungs- und Einstellungsprozess flexibel und intuitiv zu gestalten, um möglichst viele geeignete Bewerber*innen auf sich aufmerksam zu machen. Diese Prozesse sollten dabei sowohl für HR als auch für die Bewerber*innen gut funktionieren. Bewerber*innen sollten sich unterstützt und verstanden fühlen und ihnen sollten keine unnötigen Hindernisse in den Weg zur Bewerbung und Einstellung gelegt werden. Ist dem nicht so, springen viele häufig schon vor einem richtigen Auswahlprozess ab und entscheiden sich für eine andere Stelle. Für HR sollte der Prozess nachhaltig und ökonomisch sein. Sie sollten die 6 Phasen der Candidate Experience aktiv in ihre Unternehmenskultur einbinden. Dies gelingt vor allem mithilfe von digitalen Bewerber- und Auswahl-Tools, wie Applysia. Applysia bietet eine flexible, ökonomische und schnelle Lösung, die Candidate Experience während des Auswahlprozesses zu optimieren und eine qualitativ hochwertige Entscheidung zu treffen.

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