{"id":18036,"date":"2026-10-28T10:00:00","date_gmt":"2026-10-28T09:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/applysia.de\/?p=18036"},"modified":"2026-10-27T13:43:25","modified_gmt":"2026-10-27T12:43:25","slug":"bias-im-recruiting-schon-vor-der-bewerbung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/applysia.de\/en\/hr-wissen\/bias-im-recruiting-schon-vor-der-bewerbung\/","title":{"rendered":"Bias im Recruiting: Schon vor der Bewerbung"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine neue Stelle ist zu besetzen. Noch bevor die erste Bewerbung eingeht, sitzt das Recruiting-Team zusammen und formuliert, wen es sucht: mindestens f\u00fcnf Jahre Berufserfahrung, idealerweise erste F\u00fchrungserfahrung, ein passender Studienabschluss und nat\u00fcrlich jemand, der &#8222;gut ins Team passt&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bevor wir Bewerber*innen beurteilen, entscheiden wir zun\u00e4chst, wonach wir \u00fcberhaupt suchen. Das Anforderungsprofil legt fest, welche Merkmale relevant sind. Die Stellenausschreibung beeinflusst anschlie\u00dfend, wer sich angesprochen f\u00fchlt und \u00fcberhaupt bewirbt. Und schon bei diesen ersten Schritten k\u00f6nnen unbewusste Annahmen dar\u00fcber einflie\u00dfen, wie eine &#8222;passende&#8220; oder &#8222;erfolgreiche&#8220; Person aussehen sollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den bisherigen Beitr\u00e4gen dieser Reihe haben wir uns angesehen, <a href=\"https:\/\/www.google.com\/url?q=https:\/\/applysia.de\/hr-wissen\/warum-unser-gehirn-abkuerzungen-liebt-kognitive-heuristiken\/&amp;sa=D&amp;source=docs&amp;ust=1793005420946295&amp;usg=AOvVaw0OzOQYnvvP_c79L4J-_M4Y\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">wie psychologische Biases<\/a> entstehen und wie sich die <a href=\"https:\/\/www.google.com\/url?q=https:\/\/applysia.de\/hr-wissen\/geschichte-und-forschung-zu-psychologischen-biases-in-der-personalauswahl-eine-uebersicht\/&amp;sa=D&amp;source=docs&amp;ust=1793005420946746&amp;usg=AOvVaw1EWUcb2nFk6g97JxPZyP2Y\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Bias-Forschung historisch<\/a> entwickelt hat.<strong> In diesem dritten Teil schauen wir genauer darauf, wo Bias bereits vor der ersten Bewerbung entsteht und wie sich Anforderungsprofile und Stellenausschreibungen eignungsdiagnostisch fundierter gestalten lassen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"toc-block border border-gray-200 rounded-lg p-4 sm:p-3 bg-gray-50 my-6 text-base sm:text-lg wp-block-applysia-table-of-contents\"    data-toc-id=\"toc-1\"\n    data-min-level=\"2\"\n    data-max-level=\"6\">\n\n    <div class=\"max-w-full\">\n        <div class=\"mb-3\">\n            <div class=\"m-0 text-xl sm:text-lg font-semibold text-gray-700\">Inhalt<\/div>\n        <\/div>\n\n        <div class=\"border-t border-gray-200 pt-3\">\n            <nav class=\"text-base m-0 list-disc\" aria-label=\"Inhalt\">\n                <!-- TOC items will be dynamically inserted here by JavaScript -->\n            <\/nav>\n        <\/div>\n    <\/div>\n<\/div>\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1. Das Anforderungsprofil: Was braucht es wirklich f\u00fcr den Job?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein gutes Anforderungsprofil ist die Grundlage einer fundierten Personalauswahl. Es beschreibt, welche Kompetenzen, Kenntnisse, F\u00e4higkeiten und weiteren Merkmale f\u00fcr die erfolgreiche Aus\u00fcbung einer Stelle tats\u00e4chlich relevant sind. Wenn bereits hier Kriterien aufgenommen werden, die nicht mit dem beruflichen Erfolg zusammenh\u00e4ngen, wird der gesamte weitere Auswahlprozess auf eine verzerrte Grundlage gestellt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Repr\u00e4sentativit\u00e4tsheuristik: Wie sieht eine typische geeignete Person aus?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Stell dir vor, eine Stelle soll neu besetzt werden. Gesucht wird eine F\u00fchrungskraft, und im Recruiting-Team besteht bereits eine recht klare Vorstellung davon, wie eine erfolgreiche F\u00fchrungskraft aussieht: durchsetzungsstark, selbstbewusst und entscheidungsfreudig. Vielleicht haben die bisherigen F\u00fchrungskr\u00e4fte im Unternehmen auch einen \u00e4hnlichen Karriereweg durchlaufen. Taucht nun eine Bewerbung auf, deren Profil diesem Bild entspricht, kann schnell der Eindruck entstehen, dass die Person besonders gut f\u00fcr die Stelle geeignet ist. Doch erf\u00fcllt sie deshalb tats\u00e4chlich die Anforderungen der Position?<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-applysia-callout alignwide border-l-4 rounded-lg p-4 shadow-sm\" style=\"background-color:#f7c09c;border-left-color:#F08236\"><div>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier setzt die <a href=\"https:\/\/applysia.de\/en\/lexikon\/repraesentativitaetsheuristik\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Repr\u00e4sentativit\u00e4tsheuristik<\/a> an. Sie beschreibt eine mentale Abk\u00fcrzung, bei der wir Wahrscheinlichkeiten anhand von \u00c4hnlichkeiten beurteilen. Statt alle relevanten Informationen zu ber\u00fccksichtigen, orientieren wir uns daran, wie stark eine Person einem bekannten Muster oder einer typischen Vorstellung entspricht. Die Psychologen Amos Tversky und Daniel Kahneman untersuchten diesen Mechanismus in den 1970er-Jahren.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Recruiting bedeutet das: Wir schlie\u00dfen m\u00f6glicherweise von einem vertrauten Erfolgsprofil auf die Eignung einer Bewerberin oder eines Bewerbers. Wenn beispielsweise bisherige F\u00fchrungskr\u00e4fte mit einem bestimmten beruflichen Hintergrund erfolgreich waren, k\u00f6nnen Kandidat*innen mit \u00e4hnlichem Werdegang vorschnell als besonders geeignet gelten. Dabei wird leicht \u00fcbersehen, dass \u00e4hnliche Karrierewege keine Garantie f\u00fcr vergleichbare Leistungen sind und die Gemeinsamkeiten m\u00f6glicherweise gar nicht entscheidend f\u00fcr den beruflichen Erfolg waren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Stereotype Bias: Wie sieht eine erfolgreiche Person f\u00fcr uns aus?<\/h3>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-applysia-callout alignwide border-l-4 rounded-lg p-4 shadow-sm\" style=\"background-color:#f7c09c;border-left-color:#F08236\"><div>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch Stereotype k\u00f6nnen das Anforderungsprofil pr\u00e4gen. Der <a href=\"https:\/\/applysia.de\/en\/lexikon\/stereotype-bias\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Stereotype Bias<\/a> beschreibt die Tendenz, Menschen aufgrund gesellschaftlicher Rollenbilder oder ihrer Gruppenzugeh\u00f6rigkeit bestimmte Eigenschaften und F\u00e4higkeiten zuzuschreiben. Im Recruiting kann das dazu f\u00fchren, dass wir weniger auf die tats\u00e4chliche Eignung achten, sondern uns von stereotypen Vorstellungen dar\u00fcber leiten lassen, wer zu einer Position passt.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie sieht beispielsweise eine typische F\u00fchrungskraft f\u00fcr uns aus? Welche Eigenschaften verbinden wir mit einer erfolgreichen Vertriebspers\u00f6nlichkeit? Und welches Auftreten erwarten wir von einer Person in einer technischen Position? Oft haben wir bereits ein bestimmtes Bild im Kopf, das unsere Einsch\u00e4tzung beeinflussen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Solche Vorstellungen sind h\u00e4ufig durch bisherige Erfahrungen, gesellschaftliche Stereotype und kulturelle Erwartungen gepr\u00e4gt. Problematisch wird es, wenn diese Bilder die Anforderungen einer Stelle bestimmen. Dann setzen wir m\u00f6glicherweise Eigenschaften voraus, die f\u00fcr den beruflichen Erfolg gar nicht entscheidend sind, und \u00fcbersehen passende Kandidat*innen, die nicht unserem gewohnten Rollenbild entsprechen. Ein gutes Anforderungsprofil sollte deshalb konkret beschreiben, welche Kompetenzen f\u00fcr die T\u00e4tigkeit erforderlich sind und welches beobachtbare Verhalten in welchen Situationen erwartet wird.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/applysia.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/1_Anforderungsprofil_Stellenausschreibung_Applysia-Assessment-Center-Software-1024x576.png\" alt=\"Grafik, die zwei Verzerrungen im Recruiting vergleicht: Repr\u00e4sentativit\u00e4tsheuristik und Stereotype Bias. Beide f\u00fchren dazu, dass das Anforderungsprofil verzerrt wird.\" class=\"wp-image-18038\" srcset=\"https:\/\/applysia.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/1_Anforderungsprofil_Stellenausschreibung_Applysia-Assessment-Center-Software-1024x576.png 1024w, https:\/\/applysia.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/1_Anforderungsprofil_Stellenausschreibung_Applysia-Assessment-Center-Software-300x169.png 300w, https:\/\/applysia.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/1_Anforderungsprofil_Stellenausschreibung_Applysia-Assessment-Center-Software-768x432.png 768w, https:\/\/applysia.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/1_Anforderungsprofil_Stellenausschreibung_Applysia-Assessment-Center-Software-1536x864.png 1536w, https:\/\/applysia.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/1_Anforderungsprofil_Stellenausschreibung_Applysia-Assessment-Center-Software-18x10.png 18w, https:\/\/applysia.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/1_Anforderungsprofil_Stellenausschreibung_Applysia-Assessment-Center-Software.png 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2. Die Stellenausschreibung: Aus Anforderungen wird Ansprache<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem Anforderungsprofil ist die Arbeit noch nicht getan. Denn jetzt wird aus der internen Definition von Anforderungen eine \u00f6ffentliche Stellenausschreibung, und auch dabei k\u00f6nnen Biases eine Rolle spielen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Status-Quo Bias: Das haben wir schon immer so gemacht<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiterer Bias kann entstehen, wenn bestehende Anforderungen einfach \u00fcbernommen werden. Die Stellenausschreibung aus dem letzten Jahr enthielt einen bestimmten Studienabschluss, f\u00fcnf Jahre Berufserfahrung und F\u00fchrungserfahrung. Also \u00fcbernehmen wir diese Kriterien f\u00fcr die neue Ausschreibung. Aber warum eigentlich?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht hat sich die T\u00e4tigkeit ver\u00e4ndert. Vielleicht lassen sich die relevanten Kompetenzen inzwischen auch \u00fcber andere Bildungs- oder Karrierewege erwerben. Oder vielleicht war eine Anforderung schon in der urspr\u00fcnglichen Ausschreibung eher Gewohnheit als tats\u00e4chliche Notwendigkeit.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-applysia-callout alignwide border-l-4 rounded-lg p-4 shadow-sm\" style=\"background-color:#f7c09c;border-left-color:#F08236\"><div>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier zeigt sich der <a href=\"https:\/\/applysia.de\/en\/lexikon\/status-quo-bias\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Status Quo Bias<\/a>: Bestehende Strukturen und Entscheidungen werden h\u00e4ufig beibehalten, ohne sie erneut kritisch zu hinterfragen, weil sie bereits vorhanden sind (Samuelson &amp; Zeckhauser, 1988).<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade bei Anforderungsprofilen ist das problematisch. Denn jede unn\u00f6tige Anforderung kann den Kreis potenziell geeigneter Bewerber*innen weiter einschr\u00e4nken. Die konsequente Trennung von Muss- und Kann-Kriterien hilft dabei, Anforderungen auf ihre tats\u00e4chliche Relevanz zur\u00fcckzuf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Gender Bias und Age Bias: Welche Bilder erzeugt unsere Sprache?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sprache transportiert nicht nur Informationen. Sie kann auch bestimmte Vorstellungen und Erwartungen aktivieren. Formulierungen wie &#8222;junges, dynamisches Team&#8220;, &#8222;aggressives Wachstum&#8220; oder &#8222;durchsetzungsstarke F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeit&#8220; erzeugen bestimmte Bilder davon, wer zu einer Stelle passen k\u00f6nnte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Junges, dynamisches Team&#8220; transportiert dabei eine Altersvorstellung, &#8222;aggressives Wachstum&#8220; und &#8222;durchsetzungsstark&#8220; gelten als maskulin kodiert. Studien zeigen, dass solche Formulierungen Stellenausschreibungen f\u00fcr Frauen weniger attraktiv machen, und zwar nicht, weil sie sich die Aufgaben fachlich nicht zutrauen w\u00fcrden, sondern weil das Gef\u00fchl vermindert wird, dort dazuzugeh\u00f6ren (Gaucher et al., 2011).&nbsp;Eine Stellenausschreibung soll m\u00f6glichst viele geeignete Personen ansprechen &#8211; und nicht geeignete Personen NICHT ansprechen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-applysia-callout alignwide border-l-4 rounded-lg p-4 shadow-sm\" style=\"background-color:#f7c09c;border-left-color:#F08236\"><div>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das bedeutet nicht, dass einzelne Begriffe automatisch diskriminierend sind. Entscheidend ist vielmehr, ob sie die tats\u00e4chlichen Anforderungen der Stelle beschreiben. Problematisch wird es, wenn Formulierungen dar\u00fcber hinaus (irrelevante) Vorstellungen davon vermitteln, wer f\u00fcr die Position geeignet ist, und dadurch potenziell geeignete Bewerber*innen weniger ansprechen. Wenn sich potentiell geeignete&nbsp; Personengruppen aufgrund der verwendeten Sprache seltener angesprochen f\u00fchlen und deshalb von einer Bewerbung absehen, kann dies den Kreis geeigneter Bewerber*innen einschr\u00e4nken.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit beeinflusst die Ausschreibung m\u00f6glicherweise bereits die Zusammensetzung des Bewerberpools. Hinzu kommt der rechtliche Rahmen: In Bezug auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) m\u00fcssen Stellen diskriminierungsfrei ausgeschrieben werden. Altersbezogene Formulierungen beispielsweise k\u00f6nnen hier zum Risiko werden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/applysia.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/2_Anforderungsprofil_Stellenausschreibung_Applysia-Assessment-Center-Software-1024x576.png\" alt=\"Grafik zeigt, wie der Bewerberpool durch Sprache und Anforderungen der Anzeige schrumpft (Gender\/Alters-Bias und Status-Quo-Bias). Geeignete Bewerber:innen f\u00fchlen sich weniger angesprochen und bewerben sich weniger.\" class=\"wp-image-18039\" srcset=\"https:\/\/applysia.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/2_Anforderungsprofil_Stellenausschreibung_Applysia-Assessment-Center-Software-1024x576.png 1024w, https:\/\/applysia.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/2_Anforderungsprofil_Stellenausschreibung_Applysia-Assessment-Center-Software-300x169.png 300w, https:\/\/applysia.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/2_Anforderungsprofil_Stellenausschreibung_Applysia-Assessment-Center-Software-768x432.png 768w, https:\/\/applysia.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/2_Anforderungsprofil_Stellenausschreibung_Applysia-Assessment-Center-Software-1536x864.png 1536w, https:\/\/applysia.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/2_Anforderungsprofil_Stellenausschreibung_Applysia-Assessment-Center-Software-18x10.png 18w, https:\/\/applysia.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/2_Anforderungsprofil_Stellenausschreibung_Applysia-Assessment-Center-Software.png 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">3. Warum ist das eignungsdiagnostisch relevant?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bias im Anforderungsprofil ist mehr als ein Problem der Formulierung. Er kann die Qualit\u00e4t des gesamten Auswahlprozesses beeinflussen. Wenn wir bereits bei der Definition der Anforderungen Merkmale aufnehmen, die nur indirekt oder gar nicht mit beruflichem Erfolg zusammenh\u00e4ngen, beurteilen wir m\u00f6glicherweise nicht mehr das, was f\u00fcr die Stelle tats\u00e4chlich relevant ist. Ein Anforderungsprofil sollte daher nicht beschreiben, wer uns vertraut oder sympathisch erscheint, sondern was f\u00fcr den Erfolg in der T\u00e4tigkeit tats\u00e4chlich erforderlich ist. Die <a href=\"https:\/\/applysia.de\/en\/hr-wissen\/die-norm-der-eignungsdiagnostik\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">DIN 33430<\/a> macht genau diese systematische, anforderungsbezogene Herleitung zur Grundlage berufsbezogener Eignungsdiagnostik.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Was k\u00f6nnen wir konkret tun?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bias l\u00e4sst sich nicht einfach &#8222;abschalten&#8220;. Aber wir k\u00f6nnen den Auswahlprozess so gestalten, dass pers\u00f6nliche Vorstellungen weniger Gelegenheit bekommen, die Entscheidung zu beeinflussen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>1. Mit der Stelle beginnen, nicht mit der Wunschperson<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die erste Frage sollte lauten: &#8222;Welche Aufgaben muss die Person erf\u00fcllen?&#8220; Daraus k\u00f6nnen die erforderlichen Kompetenzen und Merkmale abgeleitet werden. Erst danach sollte betrachtet werden, wie eine geeignete Person diese Anforderungen erf\u00fcllen kann. Damit verschiebt sich der Fokus von der Person auf die T\u00e4tigkeit.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Hilft gegen: Repr\u00e4sentativit\u00e4tsheuristik&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>2. Anforderungen beobachtbar machen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Begriffe wie &#8222;teamf\u00e4hig&#8220;, &#8222;belastbar&#8220; oder &#8222;durchsetzungsstark&#8220; lassen viel Interpretationsspielraum. Besser ist es, zu konkretisieren, welches Verhalten in welchen beruflichen Situationen erwartet wird. Je konkreter eine Anforderung beschrieben ist, desto leichter l\u00e4sst sie sich sp\u00e4ter auch systematisch \u00fcberpr\u00fcfen. Wird beispielsweise Teamf\u00e4higkeit gefordert, k\u00f6nnen in einem strukturierten Interview alle Bewerber*innen gefragt werden: &#8222;Beschreiben Sie eine Situation, in der Sie mit Kolleg*innen unterschiedliche Meinungen zu einer Aufgabe hatten. Wie sind Sie damit umgegangen?&#8220; Anhand vorher festgelegter Bewertungskriterien l\u00e4sst sich anschlie\u00dfend beurteilen, inwieweit die Person unterschiedliche Perspektiven ber\u00fccksichtigt und zu einer gemeinsamen L\u00f6sung beigetragen hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Hilft gegen: Stereotype Bias<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>3. Muss- und Kann-Kriterien konsequent trennen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht jede w\u00fcnschenswerte Eigenschaft ist tats\u00e4chlich notwendig. Eine klare Trennung zwischen Muss- und Kann-Kriterien verhindert, dass zus\u00e4tzliche Anforderungen stillschweigend zu Ausschlusskriterien werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Hilft gegen: Status-Quo Bias<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>4. Sprache der Ausschreibung \u00fcberpr\u00fcfen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ausschreibung sollte bewusst aus der Perspektive verschiedener Zielgruppen gelesen werden. Welche Bilder erzeugen einzelne Formulierungen? Sind Begriffe ersetzbar durch konkrete T\u00e4tigkeitsbeschreibungen, zum Beispiel &#8222;Du steuerst eigenst\u00e4ndig Projekte&#8220; statt &#8222;durchsetzungsstark&#8220;? Entscheidend ist, dass die Sprache die tats\u00e4chlichen Anforderungen der Stelle vermittelt, statt ein bestimmtes Bild der geeigneten Person zu erzeugen. So l\u00e4sst sich vermeiden, dass potenziell geeignete Bewerber*innen durch unn\u00f6tige Vorstellungen davon, wer zur Position passt, abgeschreckt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Hilft gegen: Gender Bias und Age Bias<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">4. Der Bias-Check vor der Ver\u00f6ffentlichung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bevor eine Stelle ver\u00f6ffentlicht wird, k\u00f6nnen diese vier Fragen helfen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>1. Beschreiben unsere Anforderungen beobachtbare Kompetenzen oder unsere Vorstellung einer &#8222;typischen&#8220; erfolgreichen Person?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>2. K\u00f6nnen wir f\u00fcr jedes Muss-Kriterium erkl\u00e4ren, warum es f\u00fcr den beruflichen Erfolg relevant ist?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>3. Wissen wir bereits, wie wir jede zentrale Anforderung sp\u00e4ter im Auswahlprozess erfassen und bewerten werden?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>4. Ist die Ausschreibung so formuliert, dass sich die gew\u00fcnschte Zielgruppe angesprochen f\u00fchlt und die tats\u00e4chlichen Anforderungen nachvollziehen kann, ohne durch unn\u00f6tige Kriterien oder stereotype Formulierungen vorschnell ausgeschlossen zu werden?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn eine dieser Fragen nicht eindeutig beantwortet werden kann, lohnt sich ein zweiter Blick auf das Anforderungsprofil, denn es ist die diagnostische Grundlage f\u00fcr den gesamten Auswahlprozess.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">5. Fazit: Gute Personalauswahl beginnt vor der ersten Bewerbung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bias entsteht nicht erst dann, wenn ein Lebenslauf auf dem Tisch liegt oder ein Vorstellungsgespr\u00e4ch beginnt. Er kann bereits entstehen, wenn wir festlegen, welche Person wir suchen, welche Erfahrungen wir als relevant betrachten und welche Anforderungen wir in einer Stellenausschreibung formulieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein gutes Anforderungsprofil sollte sich deshalb nicht an dem oder der bisherigen Stelleninhaber*in, einem vertrauten Idealbild oder m\u00f6glichst vielen vermeintlichen Erfolgsmerkmalen orientieren. Stattdessen sollte ein gutes Anforderungsprofil auf der T\u00e4tigkeit und auf den F\u00e4higkeiten, Fertigkeiten und Kompetenzen, die f\u00fcr deren erfolgreiche Aus\u00fcbung tats\u00e4chlich erforderlich sind, basieren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Ziel ist dabei nicht, Bias vollst\u00e4ndig &#8222;abzuschalten&#8220;, denn das ist unrealistisch. Menschen werden immer auf Erfahrungen, Erwartungen und mentale Abk\u00fcrzungen zur\u00fcckgreifen. Gute Personalauswahl bedeutet vielmehr, Prozesse so zu gestalten, dass Bias m\u00f6glichst wenig Gelegenheit bekommt, Entscheidungen zu beeinflussen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-applysia-callout alignwide border-l-4 rounded-lg p-4 shadow-sm\" style=\"background-color:#c7d0f4;border-left-color:#445594\"><div>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein fundiertes Anforderungsprofil, klare Kriterien, strukturierte Verfahren und eine konsequente Orientierung an den tats\u00e4chlichen Anforderungen der Stelle schaffen die Grundlage f\u00fcr professionelle Eignungsdiagnostik.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>N\u00e4chster Beitra<\/em><\/strong><em><strong>g<\/strong>: <strong>Die Vorauswahl \u2013 Wenn der erste Eindruck \u00fcber die Bewerbung entscheidet<\/strong><\/em><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p class=\"text-base wp-block-paragraph\"><strong>Quellen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"text-base wp-block-paragraph\">DIN 33430 (2016). <em>Anforderungen an berufsbezogene Eignungsdiagnostik<\/em>. Berlin: Beuth Verlag.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"text-base wp-block-paragraph\">Gaucher, D., Friesen, J. &amp; Kay, A. C. (2011). Evidence that gendered wording in job advertisements exists and sustains gender inequality. <em>Journal of Personality and Social Psychology, 101<\/em>(1), 109-128. https:\/\/doi.org\/10.1037\/a0022530<\/p>\n\n\n\n<p class=\"text-base wp-block-paragraph\">Sackett, P. R., Zhang, C., Berry, C. M. &amp; Lievens, F. (2022). Revisiting meta-analytic estimates of validity in personnel selection: Addressing systematic overcorrection for restriction of range. <em>Journal of Applied Psychology, 107<\/em>(11), 2040-2068. https:\/\/psycnet.apa.org\/doi\/10.1037\/apl0000994<\/p>\n\n\n\n<p class=\"text-base wp-block-paragraph\">Samuelson, W. &amp; Zeckhauser, R. (1988). Status quo bias in decision making. <em>Journal of Risk and Uncertainty, 1<\/em>(1), 7-59. https:\/\/doi.org\/10.1007\/BF00055564<\/p>\n\n\n\n<p class=\"text-base wp-block-paragraph\">Tversky, A. &amp; Kahneman, D. (1974). Judgment under uncertainty: Heuristics and biases. <em>Science, 185<\/em>(4157), 1124-1131. https:\/\/doi.org\/10.1126\/science.185.4157.1124<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine neue Stelle ist zu besetzen. 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