Beiratsinterview mit Julian Schneider

Julian ist Gründer und Geschäftsführer von Zweitag, einem IT-Dienstleister in Münster. Er besitzt über 20 Jahre Berufserfahrung in den Bereichen Enterprise-Architektur, kundenspezifischer Softwareentwicklung und -infrastruktur und ist seit mehr als 15 Jahren erfolgreicher Unternehmer. Außerdem ist er im Aufsichtsrat beim münsterLAND.digital e.V, dem Innovationszentrum zur Förderung digitaler Transformationen. Julian kennt sich dementsprechend gut mit Startups, Unternehmensentwicklung und dem digitalen Wandel aus.

Laut einer Studie von KfW Research vom August 2021 betrifft das Ausmaß der negativen wirtschaftlichen Folgen der Corona Pandemie kleine Unternehmen am stärksten. Dem Deutschen Startup Monitor 2020 zufolge, haben über 90% der Startups bemerkbare Beeinträchtigungen durch die Corona Pandemie erlebt. Deswegen haben wir mit Julian über Startups in der Krise – ihre Herausforderungen und Lösungen – gesprochen.

Frage 1: Die Pandemie hat Auswirkungen auf fast alle Lebensbereiche und digitale Lösungen scheinen nötiger zu sein als je zuvor. Wie beeinflusst die Corona Pandemie die Digitalbranche? 

Durch Corona ist vielen bewusst geworden, wie wichtig es ist verteilt arbeiten zu können. Auch für Unternehmen ist es, gerade unter den pandemiebedingten Umständen wichtig, weiterhin produktiv zu sein. Die Corona Pandemie hat vielen Unternehmen den letzten Ruck gegeben, sich ernsthaft mit verschiedenen digitalen Lösungen auseinanderzusetzen, die ihnen eben diese verteilte und digitale Arbeit ermöglichen. So können sie Softwares und Serviceplattformen für sich nutzen. Ich sehe selber, dass die Nachfrage nach solchen Technologien stark steigt. Viele Technologien, die früher eher bei progressiven Unternehmen eingesetzt wurden, sind nun in der Mitte der Unternehmer*innengesellschaft angekommen. 

Frage 2: Was für Entwicklungen in der Nachfrage sind gerade bemerkbar bzw. welche Technologien werden in Zukunft noch mehr gefordert?

Eine große Veränderung, die wir alle mitbekommen haben, ist vor allem das Home-Office. Es wird auch in Zukunft ein substantieller Bestandteil von allen modernen Arbeitsmodellen werden. Aus meiner Sicht ist das Home-Office in einer post-Corona Zeit nicht mehr wegzudenken. Deswegen sind es gerade die digitalen Lösungen, die verteiltes und asynchrones Arbeiten unterstützen, die einen besonders hohen Stellenwert haben werden.

Frage 3: Passend dazu: welchen Vorteil haben denn Startups gegenüber etablierten Unternehmen in solchen Krisensituationen?

Startups sind in aller Regel viel flexibler, um sich an verändernde Umstände anzupassen. Das liegt in der Natur eines Startups, was sich sowohl über strategische marktorientierte als auch organisatorische und unternehmenskulturelle Themen zieht. Durch die daraus entstehende Anpassungsfähigkeit haben gerade Startups und junge Unternehmen besonders gute Chancen in massiven Veränderungsphasen, wie es die Corona-Pandemie darstellt, herauszustechen.  

Frage 4: Siehst du besondere Branchenunterschiede was das Thema Digitalisierung oder verteiltes Arbeiten angeht? 

Die größten Chancen entstehen zum Beispiel im Dienstleistungsbereich, wo das verteilte Arbeiten auch viel mehr Möglichkeiten bietet im Vergleich zu Bereichen mit physischen Produkten. Die Herausforderungen in tradierten Unternehmen sind natürlich größer, da beispielsweise bei Versicherungs- oder Bankwesen (nachvollziehbar) schnell größere Sicherheitsbedenken aufkommen. Hier ist die Anpassung an moderne Arbeitsmodelle schwieriger zu gestalten. 

Frage 5: Gibt es trotzdem besondere Herausforderungen, mit denen Startups in dieser Situation zu kämpfen haben?

Die Herausforderungen sind für Startups und junge Unternehmen mit einer jungen Unternehmenskultur natürlich gerade in der Teamentwicklung, der Entwicklung der Unternehmenskultur und der Zusammenarbeit groß. Der persönliche Teil, ist eben der, der sich nicht durch digitale Möglichkeiten oder moderne Technologien ersetzen lässt. Diesen wichtigen Aspekt eines Unternehmens in einem Umfeld unter Corona-Bedingungen zu entwickeln, sind Herausforderungen, die bei Startups deutlich größer sind. Nichtsdestotrotz können etablierte Unternehmen viel von Startups lernen, gerade was die Flexibilität und Veränderungsbereitschaft zum modernen Arbeiten angeht. Viele Startups verkörpern von Beginn an das moderne Arbeiten, woran sich viele Unternehmen orientieren sollten. 

Vielen Dank für deine Zeit, Julian!

Weiterführende Links: 

https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-Fokus-Volkswirtschaft/Fokus-2021/Fokus-Nr.-343-August-2021-Corona-Betroffenheit.pdf

https://deutscherstartupmonitor.de/wp-content/uploads/2020/09/dsm_2020.pdf

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