Mara Santidrián Korff

20 Oktober 2022

Das Development Center als Motor der Personalentwicklung

Inhalt

1. Einleitung: Warum Talentdiagnostik heute wichtiger ist denn je

Wenn wertvolles Know-how durch Mitarbeiterfluktuation verloren geht, explodieren die Kosten für Neubesetzungen. Genau deshalb ist es heute wichtiger denn je, den Blick nach innen zu richten. Anstatt mühsam und teuer extern nach neuen Talenten zu suchen, liegt die Lösung oft schon direkt vor deiner Nase, nämlich in deiner eigenen Belegschaft.

Doch wie erkennst du sicher, wer das Zeug zur Führungskraft hat oder wer als Expert*in im Fachbereich glänzen wird? Hier kommt das Development Center ins Spiel. In einer Arbeitswelt, die sich durch Digitalisierung und Transformation immer schneller verändert, reicht es nicht mehr aus, Beförderungen nach Betriebszugehörigkeit oder bloßer Sympathie zu vergeben.

Ein modernes Development Center bietet dir die objektive Grundlage, um Potenziale nicht nur zu vermuten, sondern präzise zu messen. Es hilft dir dabei:

  • Fehlbesetzungen in Schlüsselpositionen zu vermeiden und damit enorme Kosten zu sparen.
  • Deine Mitarbeiter*innen langfristig an dein Unternehmen zu binden.
  • Eine faire und transparente Entwicklungskultur zu schaffen, in der Leistung und Potenzial zählen.

Wenn du Mitarbeitende gezielt fördern willst, ist die fundierte Diagnostik durch ein Development Center dein wichtigster Motor. 

2. Definition & Abgrenzung: Development Center vs. Assessment Center

Vielleicht hast du schon einmal an einem Assessment Center (AC) teilgenommen oder eines organisiert. Auf den ersten Blick sehen sich das Assessment Center und das Development Center sehr ähnlich: Beide nutzen Verhaltenssimulationen, Interviews und Tests, um Kompetenzen sichtbar zu machen. Doch bei genauerem Hinsehen wird klar, dass sie unterschiedliche Ziele verfolgen.

Das Assessment Center ist ein Instrument der Personalauswahl. Hier geht es darum zu entscheiden, ob eine Person auf die jeweilige Stelle passt. Der Fokus liegt auf der Selektion, oft unter externen Bewerber*innen.

Das Development Center wird primär eingesetzt, um deine Mitarbeiter*innen in ihrer persönlichen und beruflichen Entwicklung zu unterstützen. Es geht darum, wo ein*e Mitarbeiter*in steht und was nötig ist, um die nächste berufliche Ebene zu erreichen.

Grafik vergleicht die wichtigsten Unterschiede zwischen Assessment Center (AC) und Development Center (DC) in fünf Kategorien: Hauptziel, Zielgruppe, Atmosphäre, Ergebnis und Zeitpunkt. AC fokussiert auf Selektion, externe Bewerber und wettbewerbsorientierte Atmosphäre, während DC auf Potenzialerkennung, bestehende Mitarbeiter und unterstützende Atmosphäre zielt.

Der entscheidende Faktor im Development Center ist die Lernorientierung, da es einen geschützten Raum bietet, um Lernfelder offenzulegen. Diese Erkenntnisse sind die Basis für späteres Training oder Coachings.

Kurz gesagt: Während das Assessment Center der gezielten Personalauswahl dient, fokussiert sich das Development Center auf die Identifikation und Förderung individueller Entwicklungspotenziale.

3. Wissenschaftliche Basis & Qualitätsstandards

Wenn du dich für die Einführung eines Development Centers entscheidest, solltest du dich nicht auf dein Bauchgefühl verlassen. Du brauchst Ergebnisse, die auf einer objektiven Entscheidungsgrundlage basieren. In der psychologischen Diagnostik sprechen wir hier von der sogenannten „Prognosevalidität“, also der Vorhersagekraft darüber, wie erfolgreich deine Mitarbeiter*innen in zukünftigen Rollen tatsächlich sein werden.Um eine hohe Qualität deines Development Centers sicherzustellen, orientiert sich die moderne Diagnostik an strengen wissenschaftlichen Gütekriterien. Das wichtigste Regelwerk im deutschsprachigen Raum ist hierbei die DIN 33430.

3.1 Die DIN 33430: Dein Qualitätssiegel

Die DIN 33430 fungiert als zentraler Qualitätsmaßstab und definiert präzise Anforderungen an die Planung und Durchführung berufsbezogener Eignungsbeurteilungen. Wenn du dein Development Center konsequent an diesen Standards ausrichtest, bist du auf mehreren Ebenen abgesichert:

  • Objektivität: Die Ergebnisse sind unabhängig von den Beobachtenden und bleiben somit intersubjektiv vergleichbar.
  • Reliabilität: Stabile Ergebnisse, die frei von Zufallseinflüssen oder Messfehlern sind, stellen sicher, dass du dich auf die Präzision des Verfahrens verlassen kannst.
  • Validität: Es wird genau das gemessen, was für den späteren Job wichtig ist (z. B. Führungskompetenz statt bloßer Sympathie).

3.2 Wissenschaft trifft Praxis: Diagnostik mit Fundament

Ein professionelles Development Center bildet die Schnittstelle zwischen personalpsychologischer Evidenz und deinen spezifischen Unternehmensanforderungen. Diese empirisch geprüften Verfahren basieren auf dem aktuellen Stand der Forschung und bilden tatsächliche Verhaltenspräferenzen sowie Leistungspotenziale ab, statt lediglich oberflächliche Charakterbeschreibungen zu liefern.

Das Ergebnis für dich: Maximale Entscheidungssicherheit und ein effizienter Budgeteinsatz. Durch die hohe Verfahrensgerechtigkeit sicherst du dir zudem die Akzeptanz deiner Talente. Ein professioneller und transparenter Prozess sorgt dafür, dass Feedback nicht als bloße Bewertung, sondern als wertschätzende Basis für echtes persönliches Wachstum wahrgenommen wird.

4. Der Ablauf eines modernen Development Centers

Damit dein Development Center die gewünschten Ergebnisse liefert und deine Mitarbeiter*innen wirklich voranbringt, kommt es auf die richtige Taktung an. Ein strukturierter Ablauf sichert nicht nur die Datenqualität, sondern schafft auch die professionelle Basis für eine hohe Akzeptanz bei allen Beteiligten.

Phase 1: Vorbereitung – Das Fundament

Bevor die Diagnostik startet, definieren wir die Zielmetriken. Ohne ein klares Kompetenzmodell , Anforderungsprofil und Übungen bleibt jede Beobachtung subjektiv.

  • Kompetenzmodell: Hier definierst du beobachtbare Verhaltensweisen mithilfe von Verhaltensankern. Was genau tut z. B. eine Person, die „kommunikationsstark“ ist?
  • Anforderungsprofil: Welche Kompetenzen sind für die Zielpositionen in deinem Unternehmen entscheidend? (z. B. Konfliktfähigkeit, strategisches Denken oder Agilität).
  • Auswahl der Übungen: Passend zum Profil wählst du die Simulationen aus, die diese Kompetenzen am besten triggern.

Phase 2: Durchführung – Die Diagnostik

In dieser Phase durchlaufen die Teilnehmenden verschiedene Arbeitsproben und Simulationen. Der gezielte Methodenmix ermöglicht eine ganzheitliche Betrachtung der Kompetenzen aus unterschiedlichen Blickwinkeln:

  • Strukturierte Interviews: Biographische und situative Fragen, die über den Standard-Smalltalk hinausgehen.
  • Rollenspiele: Interaktive Szenarien (z. B. Mitarbeitergespräche), um Kompetenz und Empathie unter Realbedingungen zu prüfen.
  • Fallstudien: Strukturierte Analyse komplexer Datensätze oder Business-Szenarien zur Messung von strategischem Weitblick und methodischer Problemlösungskompetenz.
  • Präsentationen: Fachvorträge zu komplexen Sachverhalten, um rhetorische Sicherheit, Überzeugungskraft und die Kompetenz zur Komplexitätsreduktion messbar zu machen.
  • Postkorbübungen: Simulation hoher Arbeitslast unter Zeitdruck, um Priorisierungsfähigkeit, Delegationsgeschick und Entscheidungsfreude unter Stress zu prüfen.
  • Selbstreflexion: Das Herzstück moderner Development Center, denn  der Abgleich von Selbst- und Fremdbild ist der wichtigste Hebel für die spätere Entwicklung.
Grafik zeigt die vielfältigen Verfahren eines Development Centers. Dazu gehören: Strukturiertes Interview, Rollenspiel, Fallstudie, Präsentation, Postkorbübung und Selbstreflexion. Diese sind um ein zentrales „Development Center“ gruppiert.

Phase 3: Auswertung & Feedback – Der wichtigste Schritt

Ohne ein fundiertes Feedback bleibt ein Development Center eine reine Bestandsaufnahme ohne echten Entwicklungswert für deine Mitarbeiter*innen.

  • Beobachtungskonferenz: Alle Beobachter*innen tauschen sich aus und erstellen ein ganzheitliches Profil für jede*n Teilnehmer*in.
  • Feedbackgespräch: Hier besprichst du mit deinen Mitarbeiter*innen die Stärken und Lernfelder. Es ist der Moment, in dem die echte Entwicklung des Mitarbeitenden beginnt.
  • Entwicklungsplan: Gemeinsam legt ihr fest, welche Trainings, Coachings oder Projekte als nächstes anstehen.
Grafik zeigt den Ablauf eines modernen Development Centers in drei Schritten: 1. Vorbereitung (Das Fundament), 2. Durchführung (Die Diagnostik), und 3. Follow-Up (Auswertung & Feedback). Jeder Schritt enthält spezifische Aufgaben, die in Kästchen aufgelistet sind.

Durch diesen strukturierten Ablauf stellst du sicher, dass keine Informationen verloren gehen und sich deine Teilnehmer*innen zu jedem Zeitpunkt gut abgeholt fühlen.

5. Digitalisierung: Remote & Hybride Development Center

Früher bedeutete ein Development Center oft hohen logistischen Aufwand: Alle Beteiligten mussten an einen Ort reisen, Berge von Papier wurden gedruckt und die Auswertung dauerte Tage. Heute sieht das anders aus. Dank moderner Software-Lösungen wie Applysia kannst du das Development Center flexibel, effizient und ortsunabhängig durchführen.

5.1 Das Remote Development Center

Bei einem komplett digitalen Development Center treffen sich Teilnehmer*innen und Beobachter*innen in einem virtuellen Raum. Videokonferenz-Tools und spezialisierte Diagnostik-Plattformen ermöglichen es, Rollenspiele, Interviews und Präsentationen ganz einfach über den Bildschirm durchzuführen. Das spart dir nicht nur Reisekosten und Zeit, sondern schont auch die Umwelt.

5.2 Hybride Formate

Wenn für dich der persönliche Austausch unverzichtbar ist, bietet ein hybrides Modell die ideale Lösung. Bei diesem Ansatz kombinierst du die diagnostische Tiefe physischer Begegnungen mit der Effizienz digitaler Tools. Während interaktive Elemente wie Rollenspiele oder Interviews vor Ort stattfinden, laufen die psychometrische Diagnostik, die Bearbeitung von Fallstudien sowie die gesamte Dokumentation der Beobachtungen digital über eine zentrale Plattform. Das Ergebnis ist ein digitaler Datenfluss, der die Auswertung massiv beschleunigt, ohne die wertvolle soziale Komponente der persönlichen Interaktion zu vernachlässigen.

5.3 Digitale Effizienz vs. analoge Trägheit: Warum Software die Diagnostik revolutioniert

Der Verzicht auf Papier ist weit mehr als nur ein Nachhaltigkeitsaspekt, sondern verbessert auch deine diagnostische Qualität. Softwaregestützte Lösungen für Development Center bieten entscheidende Vorteile:

  • Objektivität durch Standardisierung: Digitale Leitfäden führen dich strukturiert durch die Bewertung. Das minimiert Beurteilungsfehler und sichert die Vergleichbarkeit durch klare Verhaltensanker.
  • Echtzeit-Daten: Ergebnisse werden automatisch aggregiert. Das eliminiert manuelle Übertragungsfehler und macht die Daten für die Beobachtungskonferenz sofort verfügbar.
  • Automatisierte Reports: Professionelle Entwicklungsberichte werden auf Knopfdruck erstellt. Du sparst wertvolle Zeit und hast sofort eine fundierte Basis für das Feedbackgespräch.
  • Candidate Experience: Besonders für technikaffine Talente wirkt ein digitalisiertes Development Center zeitgemäß und unterstreicht die Innovationskraft deines Unternehmens.

Die Digitalisierung steigert somit nicht nur die Prozess-Effizienz, sondern vor allem die Verfahrensgerechtigkeit. Wenn du moderne Tools wie Applysia nutzt, schaffst du eine professionelle Infrastruktur, die den Fokus vollständig auf das Potenzial deiner Talente lenkt, egal von wo sie teilnehmen.

6. Die Rolle der Beobachtenden: Auswahl und Schulung

Auch ein methodisch fundiertes Development Center verliert an Validität, wenn die Beobachter*innen unzureichend vorbereitet sind. Besonders unbewusste Beurteilungsfehler führen schnell zu einer verzerrten Datengrundlage, die deine Talente eher demotiviert als fördert. Die gezielte Auswahl und professionelle Schulung deines Beobachter*innen-Teams ist daher der entscheidende Erfolgsfaktor für die Qualität und Akzeptanz deiner Ergebnisse.

6.1 Die Zusammensetzung des Beobachter*innen-Teams

Um eine maximale Objektivität zu gewährleisten und individuelle Beurteilungsfehler zu minimieren, ist ein multiperspektivischer Ansatz sinnvoll. Ein ausgewogenes Team aus verschiedenen Rollen stellt sicher, dass Talente ganzheitlich und neutral bewertet werden:

  • Führungskräfte kennen reale Job-Anforderungen und bringen essenzielle Praxiserfahrung ein.
  • Personalverantwortliche (HR) steuern den Prozess und sichern die Einhaltung methodischer sowie diagnostischer Standards.
  • Externe Beratende gewährleisten eine neutrale Perspektive und liefern wertvolle Benchmarks ohne interne Voreingenommenheit.

6.2 Warum eine Beobachter*innen-Schulung unverzichtbar ist

Kognitive Verzerrungen sind menschlich, gefährden jedoch die Validität deines gesamten Verfahrens. Gezielte Schulungen sensibilisieren dein Team für psychologische Fallstricke und stellen sicher, dass Beobachtungen deskriptiv und wertfrei bleiben. Ohne dieses Training drohen klassische Beurteilungsfehler, z. B.:

  • Der Halo-Effekt: Eine einzelne, besonders ausgeprägte Eigenschaft überstrahlt alle anderen Kompetenzen, was zu einer verzerrten Gesamteinschätzung führt.
  • Der Recency-Effekt: Die jüngsten Eindrücke am Ende einer Übung dominieren das Urteil, während das Verhalten zu Beginn unbewusst ausgeblendet wird.
  • Ähnlichkeitsfehler: Sympathie durch vermeintliche Gemeinsamkeiten im Werdegang oder Auftreten führt zu einer intuitiv positiveren Bewertung.

Im Rahmen einer fundierten Beobachter*innen-Schulung wird die Trennung von Wahrnehmung und Bewertung trainiert. Du lernst, dich konsequent auf Verhaltensanker zu fokussieren, statt intuitiv zu interpretieren. Anstatt ein Verhalten subjektiv zu bewerten („wirkt arrogant“), dokumentierst du wertfrei das faktisch Gezeigte („unterbrach den Gesprächspartner zwei Mal“). Nur so entsteht eine belastbare Datenbasis, die die notwendige Objektivität für deine Personalentscheidungen sichert. Und basierend auf dem gezeigten Verhalten findet dann eine Zuordnung zu Kompetenzen bzw. Potentialen statt. 

6.3 Die Beobachtungskonferenz: Das “Mehraugenprinzip”

Am Ende des Development Centers werden in der Konferenz alle Einzelbeobachtungen des Teams zusammengeführt, um durch das Mehraugenprinzip ein objektives Gesamtprofil der Teilnehmenden zu erstellen. Digitale Tools machen diesen Schritt signifikant effizienter: Da Bewertungen in Echtzeit aggregiert und Abweichungen zwischen den Beobachter*innen sofort visualisiert werden, ermöglicht dies eine gezielte, datengestützte Diskussion statt langwieriger Debatten über unstrukturierte Notizen.

Ein wertvoller Synergieeffekt ist die Einbindung der Führungskräfte als Beobachter*innen, was auch eine Form der Wertschätzung und aktiven Personalentwicklung ist. Durch die intensive Arbeit mit objektiven Verhaltensankern schärfen sie ihre eigene Urteilskompetenz, was ihre Feedback-Qualität im Führungsalltag nachhaltig verbessert.

7. Erfolgsfaktoren & Fallstricke (Best Practices)

Ein Development Center ist ein hochsensibles Instrument, das unmittelbar in die Karriereplanung und das Selbstbild deiner Mitarbeiter*innen eingreift. Daher entscheidet maßgeblich die Prozessqualität über Akzeptanz und Erfolg. Wenn du die folgenden Punkte berücksichtigst, schaffst du ein sicheres Umfeld, in dem diagnostisches Feedback nicht als Kritik, sondern als wertvoller Impuls für echtes Wachstum wahrgenommen wird.

7.1 Die Top 3 Erfolgsfaktoren

Damit dein Development Center sein volles Potenzial entfaltet, müssen die Rahmenbedingungen Vertrauen schaffen. Diese drei Faktoren sind entscheidend:

  1. Maximale Transparenz: Kommuniziere frühzeitig Ziele, Datenverwendung und den Kreis der Beteiligten. Indem du den Fokus klar von der Selektion hin zur individuellen Potenzialentfaltung verschiebst, reduzierst du den Prüfungscharakter und stärkst die Offenheit deiner Mitarbeiter*innen gegenüber des Verfahrens.
  2. Wertschätzungskultur: Schaffe einen professionellen Rahmen, der Raum für Authentizität lässt. Ein wertschätzender Umgang und eine angenehme Atmosphäre sorgen dafür, dass Teilnehmer*innen ihr wahres Potenzial angstfrei zeigen können.
  3. Unmittelbares Feedback: Die Lernkurve ist am steilsten, solange die Eindrücke präsent sind. Ein zeitnahes, fundiertes Feedbackgespräch (idealerweise innerhalb weniger Tage) stellt sicher, dass die gewonnenen Erkenntnisse unmittelbar in konkrete Entwicklungsschritte übersetzt werden.

7.2 Häufige Fallstricke (und wie du sie vermeidest)

Damit dein Development Center seine volle Wirkung entfaltet, solltest du typische Fehlerquellen frühzeitig ausschalten. Hier sind die häufigsten Punkte, die den Erfolg und die Akzeptanz gefährden:

  • Mangelnde Ergebnisoffenheit (Das “Alibi-Development-Center”): Wenn Entscheidungen über Beförderungen bereits vorab getroffen wurden, verliert das Verfahren seine Glaubwürdigkeit. Mitarbeiter*innen spüren das sofort, wodurch das Vertrauen in die Personalabteilung nachhaltig geschädigt wird. Nutze ein Development Center daher nur, wenn die Ergebnisse wirklich die Basis für weitere Planung bilden.
  • Mangelndes Follow-up: Das beste Feedback ist wirkungslos, wenn danach keine Taten folgen. Ein Development Center ohne anschließende praktische Entwicklungsmaßnahmen (Training, Mentoring, Job-Rotation) ist eine verschwendete Investition. Plane die anschließende Begleitung daher von Beginn an fest mit ein.
  • Überforderung der Beobachter*innen: Wenn das Beobachter*innen-Team zu viele Kompetenzen gleichzeitig bewerten soll, leidet die Genauigkeit der Einschätzung. Konzentriere dich auf maximal 5–6 Kernkompetenzen pro Verfahren, um eine hohe Qualität und faire Ergebnisse sicherzustellen.
Grafik zeigt Erfolgsfaktoren (Dos) und Fallstricke (Don'ts) für Development Centers. Dos beinhalten klare Kommunikation, Wertschätzung, unmittelbares Feedback und Beobachterschulung. Don'ts beinhalten Alibi-DC, mangelndes Follow-up, Überforderung der Beobachter und Voreingenommenheit.

7.3 Deine Best-Practice-Checkliste

Bevor du startest, nutze diese Liste für einen schnellen Qualitätscheck:

  • Anforderungsprofile: Sind die Kompetenzen aktuell und spiegeln sie die reale Praxis wider?
  • Teilnehmer*innen-Kommunikation: Wurden alle Beteiligten persönlich über Ziele, Ablauf und Datenverwendung informiert?
  • Beobachter*innen-Qualität: Verfügen alle Beobachter*innen über eine aktuelle Schulung (idealerweise innerhalb der letzten 12 Monate)?
  • Technik-Check: Ist die digitale Infrastruktur geprüft und für alle zugänglich?
  • Follow-up-Planung: Stehen die Termine für die Feedbackgespräche bereits fest, um einen schnellen Transfer zu sichern?

Wenn du diese Punkte berücksichtigst, wird dein Development Center zu einem echten Highlight in der Employee Experience deiner Talente.

8. Fazit: Der ROI von Development Centern

Ein Development Center stellt zweifellos eine Investition dar, sowohl zeitlich als auch finanziell. Doch wenn du diese Aufwände den immensen Kosten einer Fehlentscheidung oder der Fluktuation unentdeckter High-Potentials gegenüberstellst, verschiebt sich die Perspektive: Ein professionell geführtes Development Center ist einer der effizientesten Hebel für die Zukunftsfähigkeit deines Unternehmens.

8.1 Warum sich die Investition auszahlt

Der finanzielle Nutzen eines Development Centers basiert auf drei Kernfaktoren:

  1. Vermeidung von Fehlbesetzungskosten: Fehlbesetzungen kosten laut Forschung zwischen 90 % und 200 % eines Jahresgehalts (Recruiting, Einarbeitung, Produktivitätsverlust und Auswirkungen auf die Teammoral). Ein Development Center minimiert dieses Risiko signifikant durch eine valide Datenbasis.
  2. Gezielte Budgetallokation: Du investierst dein Weiterbildungsbudget genau dort, wo es wirklich gebraucht wird. Dank präziser Kompetenzprofile finanzierst du nur die Maßnahmen, die deine Mitarbeiter*innen wirklich voranbringen.
  3. Mitarbeiterbindung (Retention): Talente verlassen Unternehmen oft, weil sie keine Perspektive sehen. Ein Development Center signalisiert Wertschätzung und senkt die Fluktuation, was ebenfalls hohe Kosten für die Neugewinnung von Personal spart.

8.2 Die langfristige Perspektive

Ein Development Center ist ein klares Statement für eine faire und leistungsorientierte Unternehmenskultur. Du baust eine nachhaltige Talent-Pipeline auf und stellst sicher, dass strategische Schlüsselpositionen auch in Zukunft mit den passenden Expert*innen besetzt sind.

Fazit für die Geschäftsführung: Investitionen in professionelle Diagnostik sichern die Wettbewerbsfähigkeit von morgen. Du ersetzt subjektive Vermutungen durch belastbare Daten und entwickelst deine Mitarbeiter*innen zum entscheidenden strategischen Wettbewerbsvorteil.

Möchtest du erleben, wie du dein nächstes Development Center digital, effizient und objektiv gestaltest? Sichere dir hier deinen Termin für eine Demo und hebe dein Talent Management gemeinsam mit Applysia auf das nächste Level!

FAQs zu Development Centern

Hier haben wir dir die Antworten auf die Fragen zusammengestellt, die uns in der Praxis am häufigsten begegnen.

Wie lange dauert ein Development Center?

Das hängt stark von der Zielsetzung ab. Ein kompaktes Einzel-Development Center kann bereits in vier Stunden durchgeführt werden. Bei komplexeren Gruppensettings für Managementpositionen solltest du ein bis zwei Tage einplanen, um genügend Raum für tiefgehende Simulationen und Reflexionen zu schaffen.

Wie viele Beobachter*innen pro Teilnehmer*in sind nötig?

Damit dein Development Center wirklich valide Ergebnisse liefert, solltest du dich an das bewährte Mehraugen-Prinzip halten. Laut den Standards des Forum Assessment e. V. muss das Verhalten jedes Talents von mindestens zwei geschulten Beobachter*innen unabhängig voneinander bewertet werden. In Gruppenübungen ist es zudem wichtig, dass du die Qualität der Beobachtung nicht gefährdest. Ideal ist es, wenn ein*e Beobachter*in nur 2 bis maximal 3 Teilnehmende gleichzeitig im Blick hat. So stellst du sicher, dass dir keine wichtigen Nuancen entgehen und du eine objektive Grundlage für deine Feedbackgespräche schaffst.

Kann ein Development Center auch zur Kündigung führen?

Nein, ein echtes Development Center ist ein reines Entwicklungsinstrument. Es dient dazu, Potenziale zu fördern, nicht dazu, Arbeitsverhältnisse zu beenden. Wenn die Ergebnisse zeigen, dass jemand auf seiner aktuellen Position nicht optimal eingesetzt ist, werden im Anschluss Wege gesucht, wie die Person sich innerhalb des Unternehmens besser entfalten kann.

Wie bereite ich meine Mitarbeiter*innen am besten vor?

Transparenz ist alles. Schicke den Teilnehmenden vorab alle Informationent, die den Ablauf, die Zielsetzung und die beteiligten Beobachter*innen betreffen. Betone dabei immer, dass es um individuelle Weiterentwicklung und den Abgleich von Selbst- und Fremdbild geht, nicht um eine Prüfung.

Was kostet die Durchführung eines Development Centers?

Die Kosten variieren je nachdem, ob das Development Center komplett in Eigenregie mit internen Ressourcen durchgeführt wird, oder externe Beratenden und spezialisierte Software genutzt werden. Während die Anfangsinvestition für Software und Schulung höher sein kann, sparst du langfristig massiv Zeit und verhinderst teure Fehlbesetzungen.

Quellen

Arbeitskreis Assessment Center e. V. (2016). Standards der Assessment-Center-Technik. https://www.forum-assessment.de/images/standards/AkAC-Standards-2016.pdf

Allen, D. G., Bryant, P. C., & Vardaman, J. M. (2010). Retaining talent: Replacing misconceptions with evidence-based strategies. Academy of Management Perspectives.

de_DEGerman